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01.02.2009: Phänomen Honigbiene
Jürgen Tautz:
Phänomen Honigbiene
Ein Sachbuch?
Ein Sachbuch! Und was für eins!
Nicht nur, dass Bienen ein unglaublich interessantes Thema sind, nicht nur, dass die Fotografien von Helga R. Heilmann dieses Buch fast zu einem Bildband machen, sondern auch, dass der Autor es versteht, wissenschaftliche Erkenntnisse aus seiner Forschung so aufzubereiten, dass der Laie zu verstehen beginnt, wie Bienen ticken. Und plötzlich fängt man an, die Evolution und sich selbst neu zu begreifen.
Nebenbei stelle ich fest, dass sich wohl nicht nur Frank Schätzing mit Bienen beschäftigt hat (wie käme er sonst zu seinem "Schwarm"), sondern auch David Mitchell im "Wolkenatlas" bei der Geschichte von Sonmi sich hat von Bienen und deren Fütterungsverhalten inspirieren lassen.
Mich hat dieses Sachbuch sehr begeistert!
Gaby Burckhardt
...
Der dringend erforderliche Schutz der Bienenvölker stellt eine enorme Herausforderung dar, nicht nur für die Imker, sondern auch für die Landwirte, alle übrigen Grundbesitzer, Landschafts-, Verhaltens-ökologen und Naturschützer. Ihnen allen sei das Buch "Phänomen Honig-biene" ebenfalls sehr empfohlen und selbstverständlich auch der begeis-terungsfähigen Jugend - weshalb es in keiner Schulbibliothek fehlen und auch für den Biologieunterricht herangezogen werden sollte. Abgesehen davon erleichtern die konkreten Beispiele der Bienenleistungen in vielen Fällen den Einstieg in spezielle Themen der Allgemeinen Biologie. Der letzte Satz des Epilogs von Jürgen Tautz sei zitiert: "Unterstützen wir die Honigbienen, so unterstützen wir uns selbst" ! Sein Buch ist ein unverzichtbarer Beitrag für das "know how" zum erfolgreichen Handeln.
Wissen wir wirklich schon alles über unsere Bienen?
Wir Imker sind in der glücklichen Lage, dass unsere Bienen ein beliebtes
Forschungsobjekt an Universitäten und Instituten sind.
Wer die Strukturen und Lebensweise des Superorganismus Bien
erfasst hat, kann auch artgerecht mit ihm umgehen.
Darin liegt für uns der große Gewinn von Forschung und Wissenschaft.
Nun sollte man meinen, seit von Frisch, Lindauer und ihren Kollegen
weltweit sei schon alles erkannt und gesagt.
Dem ist bei Weitem nicht so.
Mit der Veröffentlichung des Buches Phänomen Honigbiene ist dem Biologen
Jürgen Tautz, Professor an der Universität Würzburg und Leiter der dortigen
BEEgroup ein Volltreffer gelungen.
Wer einmal einen Vortrag von ihm gehört hat, weiß, wie er die Zuhörer fasziniert.
Und dieses Buch legt man nicht eher aus der Hand, bis man es bis zur
letzten Seite durchgelesen hat.
Ich habe es gleich zweimal „verschlungen“.
Veranschaulicht wird das Gelesene durch brillante Fotos von Helga R. Heilmann.
Schon der einleitende „Steckbrief in Bildern“ ist ein Augenschmaus.
Tautz erläutert im 1. Kapitel die Gesetzmäßigkeiten der Evolution vom Beginn
allen Lebens bis zu Vielzellern und demSuperorganismus Bien.
Danach geht es gleich ins volle Bienenleben:
Wie verlaufen Vermehrung und Sex, Schwarmverhalten, der gesamte Lebenszyklus des Bien?
Ist der Superorganismus Bien im Prinzip unsterblich?
Wie organisieren die Bienen Materie- und Energiestrom?
Die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Bienen und Blütenpflanzen wird ebenfalls erläutert.
Richtig spannend wird es dann, wenn im dritten Kapitel der sprichwörtliche
Bienenfleiß mit einigen Zahlen deutlich gemacht wird.
Schlafen die Bienen auch, wann und wo?
Um das Verhalten der Bienen ihr Leben lang exakt zu beobachten,
wurden Arbeiterinnen nach ihrer Geburt mit Mikrochips ausgestattet.
Die Intelligenz der Bienen steht im folgenden Kapitel im Mittelpunkt.
Wie erkennen die Bienen Blüten, Farben, Düfte, ob ein Besuch lohnt und wann?
Wie geben sie ihre Erkenntnis an Stockgenossinnen weiter und wie verstehen
diese die Informationen und finden die Trachtquellen?
Da spielen nicht nur die uns bekannten Rund- und Schwänzeltänze eine Rolle.
Auch die Waben dienen als „Telefonnetz“.
Wie funktionieren wo welche Sinnesorgane für das Tasten, Riechen und die Temperatur?
Zeit, Entfernung, Richtung, Geländestrukturen, all dieses wird durch die Sinnesorgane der Biene beherrscht.
Rückkehrende Jungbienen finden ihre Behausung schneller
durch die Duftfahne, die ihre alten Kameradinnen abgeben.
Und auch, wenn eine Tracht anzufliegen nicht mehr lohnt, werden die Stockgenossinnen informiert.
Mit dem Hochzeitsflug und Paarungsverhalten beschäftigt
sich eingehend das 5. Kapitel, unterlegt mit Zahlen.
Beim Hochzeitsflug wird die Königin von „Brautjungfern“ als Sicherheitseskorte
begleitet. Was hat es mit den Vorspielflügen auf sich?
Bisher gab es diesbezüglich in der Imkerschaft allerhand
verschiedene Vermutungen und Spekulationen. Jetzt wissen wir Genaueres.
Die Ernährung von der schlüpfenden Made bis zur Verdeckelung steht im Weiteren im Mittelpunkt. Woraus besteht der Futtersaft?
Wie unterscheidet sich die Fütterung von Arbeiterbrut und Königinnenlarven?
Pollen als wichtigster Stoff, damit sich die Futtersaftdrüsen entwickeln können.
Die Schwesternmilch ist zu vergleichen mit der Muttermilch der Säugetiere
- und das ist bei Honigbienen einzigartig in der Insektenwelt.
Der Wabenbau (Kap. 7) ist ein faszinierendes Wunderwerk und ein Organ des Bien,
wie wir schon gesehen haben, dient er nicht nur als Nahrungsspeicher und Kinderstube,
sondern auch als „Telefonnetz“, ferner als chemischer Gedächtnisspeicher,
natürlich als Nisthöhle und auch Abwehrorgan gegen Krankheitskeime.
Über Heizerbienen und Kühlaggregate erfahren wir genaues in Kap. 8.
Es ist wie ein Regelkreis:
Der Thermostat (Sinnesorgane für die optimale Temperatur) „sagt“ den Heizerbienen:
Jetzt müsst ihr die Temperatur hochfahren oder im heißen Sommer:
Wasser Marsch und durch Fächeln Verdunstungskälte produzieren.
Noch erstaunlicher ist, dass durch unterschiedliche Temperaturen der gewärmten Brut
im Bereich zwischen 33° und 36° C spätere Verhaltensweisen beeinflusst werden
(z.B. Art des Innendienstes, Tanzverhalten, Lernfähigkeit, Gedächtnis,
ja sogar das Alter der Bienen usw.); es sind also nicht ausschließlich die Gene.
Insbesondere Züchter beschäftigen sich seit Generationen mit den Verwandtschaftsverhältnissen im Bienenvolk.
Wenn jede Königin durchschnittlich von 12 Drohnen begattet wird, in
welchem Verhältnis sind die nachfolgenden Arbeiterinnen untereinander verwandt?
Vor allem, welchen Vorteil hat eine Mehrfachpaarung?
Theoretisch würde ein Drohn ja genügen, produziert er doch bis zu elf Millionen Spermien.
Eine Königin speichert in ihrer Samenvorratstasche aber „nur“ etwa
600.000 Spermien von allen Drohnen, die sie begattet haben.
Mit Verweisen auf die detaillierten Ausführungen in den einzelnen Abschnitten
steht das Schlusskapitel unter folgendem Gesichtspunkt:
„Der Superorganismus Bienenstaat ist mehr als die Summe aller seiner Bienen.
Er besitzt Eigenschaften, die man bei den einzelnen Bienen nicht findet.
Umgekehrt bestimmen und beeinflussen Eigenschaften der gesamten Kolonie
viele Eigenschaften der Einzelbienen.
Die Regelkreise im Bienenvolk ergänzen sich: Brutverhalten, Temperaturregelung,
Nektareintrag, Wabenbau, Gesundheitsvorsorge, bzw. Krankheitsabwehr usw.,
wobei die Verteilung der Aufgaben auf verschiede Altersgruppen höchst flexibel ist
(nach Bedarf können z.B. auch ältere Bienen ihre Futtersaft oder Wachsdrüsen wieder aktivieren).
Ob nun im Epilog das Zitat von Einstein ist oder nicht und ob ohne Bienen der Mensch nur noch vier oder wie viel Jahre zu leben hat, ist nebensächlich.
Den Wahrheitsgehalt sollten sich Politiker, Industrielle (vor allem Chemie und Saatgutkonzerne mit ihren Heilversprechungen) sowie jeder halbwegs denkende und verantwortungsbewusste
Mitmensch hinter die Ohren schreiben:
„Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr...“.
Also: ohne Honigbienen keine Artenvielfalt und nachhaltige Landwirtschaft.
Welch volkswirtschaftlicher Schaden ohne unser drittwichtigstes „Haustier“
(nach Rind und Schwein) entsteht, ist einer breiten Öffentlichkeit erst kürzlich durch das
Bienensterben in den USA bewusst geworden.
Kaum eine andere Tierart ist geeigneter, sie jungen Menschen nahe zu bringen,
„so dass sie eines Tages selbst die Verantwortung für eine lebenswerte Umwelt übernehmen können“.
Darüber hinaus bietet die Honigbiene für viele andere Forschungsbereiche
(z.B. in der Medizin) interessante Ansätze und Einsichten.
Schlussendlich ist die Honigbiene „unverzichtbar für die
Ökologie und die Ökonomie vieler Regionen dieser Erde“.
Mit Hans Schuh kann man nur sagen:
„Wer Honig liebt und sich für Tiere interessiert, für den ist dieses Buch ein Muss - und ein Genuss“ (Die Zeit Nr. 22/07)
Ergänzt und aktualisiert wird Phänomen Honigbiene
durch die Website www.beegroup.de
Siegfried Kersten
Auf 278 Seiten, wovon etwa die Hälfte von Farbfotos eingenommen wird, stellen der Biologe Jürgen Tautz und die Fotografin Helga R. Heilmann die Lebensäußerungen der Honigbiene Apis mellifera dar. In der Arbeitsgruppe Tautz ist unser Bild von diesem hochorganisierte Staaten bildenden Insekt in den letzten Jahren um zahlreiche neue Facetten erweitert worden.
Apis mellifera lebt im Sommer in Staaten mit etwa 50 000 Individuen, wovon an jedem Tag etwa 1% sterben. Die Königin kompensiert den Verlust: Sie vermag im Sommerhalbjahr bis zu 2000 Eier täglich zu legen. Das entspricht ihrer eigenen Körpermasse. Die meisten Eier sind befruchtet, die dazu nötigen Spermien gehen auf einen Hochzeitsflug der jungen Königin zurück.
Wie im Bienenstock kommuniziert wird, wie der Lebenslauf von Königin, Arbeiterinnen und Drohnen aussieht, wie die Nahrung beschafft und teilweise gespeichert wird, erfahren wir in einem klaren, für eine breite Leserschaft verfassten Text.
Dem Autor geht es dabei auch immer um ganz allgemeine Gesichtspunkte: analoge Entwicklungen im Superorganismus Bienenstaat und Endotherme, Prinzipien der Evolution, Koevolution von Blütenpflanzen und Bestäubern, wirtschaftliche Bedeutung eines der wichtigsten Haustiere in unseren Breiten und viele andere.
Der Text ist in zehn Kapitel gegliedert. Primärliteratur wird im Text praktisch nicht zitiert; dafür wurde eine Website eingerichtet ( www.beegroup.de ).
Diese interessante, teilweise spannende Lektüre ist nicht nur für jeden Biologen empfehlenswert, sondern auch für all diejenigen, die etwas über funktionierende Staaten und die Bedeutung des drittwertvollsten Haustieres in Europa lernen wollen.
Professor Dr. Dr. h. c. Volker Storch
Zoologisches Institut
Universität Heidelberg
"Auch wem Bienen Angst einjagen: Das Buch wird ihn erobern."
"Bei aller wissenschaftlichen Genauigkeit ist das Buch gut lesbar und beeindruckt durch die ausgezeichneten Farbfotos, die schon beim Durchblättern das Buch zum Genuss machen und zum Lesen verlocken (...)"

Buchkritik über "Phänomen Honigbiene" im Laborjournal, Ausgabe Juni 2007

Buchkritik in der ZEIT, Ausgabe vom 24. Mai 2007

Buchkritik in der ADIZ, Ausgabe 05/2007
Buchkritk bei Deutschlandradio Kultur, Sendung vom 17.04.2007
Hier geht es zum Artikel.
Hier können Sie sich die Sendung herunterladen (mp3-Datei).
Die Rezension der Presse Wien zu "Phänomen Honigbiene":
Hier gelangen Sie zum Artikel.
Buchkritik im vdbiol-Magazin " biologen heute", Ausgabe 01/2007

Hier geht es zum Artikel.